Weisheitszahn-OP unter Vollnarkose? Pro und Kontra

Nahezu jeder Mensch muss sie mindestens einmal durchstehen: die Weisheitszahn-OP. Den wenigsten behagt dieser notwendige Eingriff, doch insbesondere für Angstpatienten stellt die Entfernung der Weisheitszähne vor eine immense Herausforderung. Viele erwägen daher die Vollnarkose. Welche Kosten zu erwarten sind und was dafür oder dagegen spricht, lesen Sie im Folgenden.

weisheitszahn-op

Die Hiobsbotschaft ist da – die Weisheitszähne müssen raus. Vielen bereitet dieser Eingriff Unbehagen, da es sich – ehrlich gesprochen – nicht um die einfachste Form der Behandlung handelt. Viele fragen sich fluchend, warum uns die Natur diese Störenfriede überhaupt aufgebürdet hat. Tatsächlich steckt dahinter eine eigentlich kluge Idee. Eigentlich.

Warum haben wir Weisheitszähne?

Bei den menschlichen Weisheitszähnen hat sich die Evolution verschluckt. Als unsere Vorfahren die Mahlzeiten noch nicht kochten, sondern nach dem Pflücken und Jagen direkt verzehrten, hieß es kauen, kauen und nochmals kauen. Die zusätzlichen Backenzähne waren dabei eine unverzichtbare Hilfe, die Nahrung, angemessen zerkleinert, in den Bauch zur Verdauung zu befördern.

Der späte, erst im Erwachsenenalter erfolgende Durchbruch schenkte dem Weisheitszahn auch ihren Namen: Erst wenn wir älter und hoffentlich weiser sind, machen sich die letzten Backenzähne verdient.

Diese Verzögerung verschaffte einen immensen, evolutionären Vorteil: Die Zahnpflege war noch nicht erfunden und trotz zahngesünderer Ernährung fiel schnell mal ein wertvoller Backenzahn aus. Die Weisheitszähne dienten demnach als eine Art Reserve oder Nachschub, um auch im fortgeschrittenen Alter die Rohkost verarbeiten zu können.

Warum stören die Weisheitszähne?

Schief gelaufen ist die eigentlich so klug angelegte Biologie als die Gattung Homo begann, ihren Kiefer zu verkleinern. Vermutlich, weil die menschlichen Vorfahren zunehmend Fleisch aßen und weniger kauen mussten sowie das Werkzeug besaßen, ihre Nahrung mundgerecht zu zerkleinern. Die spätere Zubereitung durch Hitze erleichterte die Kauarbeit noch zusätzlich.

Der schrumpfende Kiefer nahm den Weisheitszähnen also ihren Platz weg und verfrachtet den heutigen Homo Sapiens auf den Zahnarztstuhl.

Heutzutage existiert nur eine kleine Anzahl an Menschen, die entweder noch genügend Platz im Kiefer oder gar keine Anlagen für Weisheitszahne haben. Die allermeisten müssen sich jedoch um ihre Gebissstellung und ihre Zahngesundheit sorgen. Die durch Platzmangel nicht vollständig durchgebrochenen, aber prächtig entwickelten Weisheitszähne drücken auf die Nachbarzähne, sorgen für Zahnfleischtaschen und bilden eine Gefahr für Parodontitis.

Entfernung der Weisheitszähne:­ OP-Kosten

Die Kostenfrage lässt sich kurz und schmerzlos beantworten: Den Eingriff übernehmen die Krankenkassen. Dies gilt im Übrigen auch für die sogenannte Germektomie: Bei diesem Eingriff werden die Weisheitszähne im Babystadium entfernt. Zu diesem Zeitpunkt haben die Zahnkeime nur ihre Zahnkrone aber noch nicht die Zahnwurzeln ausgeprägt, weshalb sie noch nicht fest im Knochen sitzen.

Tief durchatmen: alles weniger schlimm, als es aussieht.

So verläuft die Weisheitszahn-OP

Womit Patienten bei der OP zu rechnen haben, hängt von der Beschaffenheit der späten Störer ab. Häufig lassen sich im Oberkiefer die Weisheitszähne ziehen, da das Knochengewebe nachgiebiger und der Zahn sich leichter fassen lässt. Der dicke Unterkieferkochen ist hingegen nicht so freigiebig, weshalb Teile des Knochens oft aufgeschnitten werden müssen oder der Zahn noch im Kiefer zerteilt wird, um ihn schließlich ziehen zu können. Aus diesem Grund sieht man vielen Menschen die kürzlich zurückliegende Weisheitszahn-OP auch an: Die berüchtigte Schwellung der Wange mit blauen Flecken resultiert aus der Bearbeitung des Knochens.

Mit den Nachwirkungen der Weisheitszahn-OP haben die meisten ungefähr eine Woche zu tun. In den ersten Tagen kann es noch zu Schmerzen kommen, die sich jedoch gut mit üblichen Schmerzmitteln lindern lassen. Doch Achtung: Aspirin mag vielen bei Kopfschmerzen helfen, jedoch ist der blutverdünnende Wirkstoff bei einer frisch vernähten Wunde im Mund kontraproduktiv. Operierte sollten sich strikt an die Verordnungen Ihres Zahnarztes halten.

Wenn alles gut verheilt und abgeschwollen ist, zieht der Zahnarzt beim Termin zur Nachsorge die Fäden.

Selbstverständlich findet der Eingriff unter lokaler Betäubung statt. Der Zahnarzt injiziert mittels spezieller Spritze einen Wirkstoff, der Zahn, Zahnfleisch und die umgebende Region taub werden lässt. Die einzige Schmerzempfindung stammt daher von der Betäubungsspritze.

Weisheitszahn-OP: Arten der Betäubung

Jedoch empfinden viele Betroffene die Entfernung ihrer Weisheitszähne trotz dieser lokalen Betäubung als unangenehm. Anders als beim herkömmlichen Bohren, geht es während der Weisheitszahn-OP häufig etwas gröber zu. Die soeben beschriebenen Maßnahmen führen zu einem stärkeren jedoch harmlosen physischen Druck im Kopf- und Kieferbereich, der den Patienten manchmal auf die Geduldsprobe stellt.

Insbesondere für Menschen mit Zahnarztangst, auch Angstpatienten genannt, stellt die Behandlung eine notwendige, aber immense Herausforderung dar. Viele sehen sich zudem mit einem wiederholten Eingriff konfrontiert, da aus Schonungsgründen nur ein oder zwei Zähne pro Behandlung extrahiert werden.

Neben der lokalen Betäubung bieten die meisten Zahnarzt- und Kieferchirurgiepraxen auch stärkere Maßnahmen der Narkose an. Wer etwa unter ausgeprägter Nervosität leidet, kann eine leichte Sedierung in Anspruch nehmen. Der Eingriff wird dabei noch bewusst wahrgenommen, jedoch bewirkt Lachgas oder ein anderes, ähnliches Medikament eine entspanntere, gelockerte Stimmung.

Wer vom Geschehen nichts mitbekommen möchte, kann eine Vollnarkose in Anspruch nehmen. Der künstliche Schlafzustand sorgt dafür, dass niemand etwas mitbekommt. Häufig wird diese genutzt, um gleich alle vier Zähne auf einmal zu entfernen, wodurch das Kapitel Weisheitszähne sich in nur einer Behandlung abschließen lässt. Auch die Angst vor Schmerzen trotz Betäubung erübrigt sich, wenn Patienten erst gar nichts von allem mitbekommen.

Die Weisheitszahn-OP einfach verschlafen: eine sinnvolle Lösung für Angstpatienten.

Was passiert während der Vollnarkose?

Vorab: Nicht der Zahnarzt, sondern ein speziell ausgebildeter Narkosearzt, auch Anästhesist genannt, ist für die Betäubung zuständig. Dieser Arzt wird in einem vorbereitenden Gespräch Informationen über mögliche Allergien und den allgemeinen Gesundheitszustand einholen. Die Vollnarkose ist eine Prozedur, der stets gewisse Risiken anhaften und daher gut vorbereitet werden muss.

Während der Operation ist der Anästhesist die komplette Zeit anwesend und hat ausschließlich die Überwachung der Vitalfunktionen (Blutdruck, Herzfrequenz) zur Aufgabe.

Eine Vollnarkose zielt auf dreierlei ab: Den Patienten in einen Schlafzustand zu versetzen, ihn dabei keine Schmerzen fühlen zu lassen und die Muskeln künstlich zu entspannen, sodass keine ungewollten Schutzreflexe während des Eingriffs entstehen. Sie ist daher eine Art Potpourri verschiedener Medikamente, deren Wirkung gründlich zu überwachen ist. Außerdem beeinträchtigen diese Wirkstoffe die Fähigkeit zum selbstständigen Atmen, weshalb über einen kleinen Schlauch in der Luftröhre künstlich beatmet werden muss.

Sobald der Zahnarzt oder Kieferchirurg seine Pflicht getan hat, leitet der Anästhesist medikamentös das Aufwachen ein – meist dauert es jedoch ein paar Stunden, bis die Schläfrigkeit komplett vorüber ist.

Risiken der Vollnarkose beachten

Fairerweise gilt aber zu erwähnen, dass der Eingriff nur die halbe Miete ist. Gerade nach der Entfernung aller vier Weisheitszähne, ist mit Einschränkungen und leider auch Schmerzen für die kommenden Tage zu rechnen – der Heilungsprozess kann also nicht verschlafen, jedoch mit Suppe und den richtigen Schmerzmitteln (wie schon erwähnt: kein Aspirin!) gut überstanden werden. Wichtiger für die Entscheidungsfindung sind aber die Nebenwirkungen und Risiken der Vollnarkose. Zwar handelt es sich um ein sehr sicheres Verfahren, doch lassen sich Komplikationen wie die Unverträglichkeit nie hundertprozentig ausschließen – die beste Aufklärung hierfür bietet der zuständige Narkosearzt. Wenn es nun zu Begleiterscheinungen kommt, handelt es sich meist um eine harmlose und schnell vorübergehende Übelkeit nach der Operation, die aber manchmal zum Erbrechen führt. Zwar lässt sich diesem Zustand gut mit Medikamenten bekommen, doch gerade nach einem Eingriff im Mundraum benötigen die noch frischen Wunden möglichst viel Schonung.

Entfernung der Weisheitszähne: Vollnarkose-Kosten

Auch zu erwägen ist die Kostenfrage: In den meisten Fällen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur die lokale Betäubung. Einzig bei sehr ausgeprägter und nachgewiesener Zahnarztangst lässt sich die Kostenübernahme erkämpfen. Privat Versicherte müssen die Tarife Ihrer Police prüfen und unbedingt vor dem Eingriff klären, wer für die Kosten zuständig ist. Eine genaue Preisangabe für die Vollnarkose gibt es nicht, doch liegen die Kosten meist zwischen 150 und 300 Euro.

Weisheitszahn-OP mit Vollnarkose – jein?

Wer eine Vollnarkose erwägt, dem sei am besten geraten, sich zunächst eine Einschätzung des Zahnarztes über den Umfang des Eingriffs einzuholen. Wichtig ist auch, sich eventuelle frühere Erfahrungen abzurufen – ist schon einmal Erbrechen nach einer Vollnarkose aufgetreten, sollte gemeinsam mit Zahnarzt und Anästhesisten überlegt werden, wie sinnvoll diese Form der Betäubung ist. Auch die Kostenfrage gehört zu den entscheidenden Aspekten: Ist überhaupt genügend Budget da, falls die Krankenkasse nicht zahlt? Überlegungen zur Vollnarkose während der Weisheitszahn-OP sind also von völlig individuellen Faktoren abhängig. Das Wichtigste ist, sich gut durch den zuständigen Anästhesiearzt aufklären zu lassen und somit alle Risiken zu kennen.

 

Sie haben weitere Fragen zur Weisheitszahn-OP unter Vollnarkose? Gern beraten wir Sie bei ihrem nächsten Termin!

 

Alles Gute wünscht Ihnen

 

Ihre Zahnarztpraxis Saupe & Schwarz